Wisst ihr, dass der indische Ozean bei Neumond leuchtet?
Ja genau, ich habe das auch nicht geglaubt, wollte der Sache aber auf den Grund gehen. Deshalb bin ich letzten Neumond mit ein Paar Freunden an den Strand gefahren. Nachts am Strand, das ist hier in Indien allerdings so eine ziemlich brenzlige Sache. Schon auf den Vorbereitungsseminaren haben wir gehört, dass es bei den letzten deutschen Freiwilligen fast zu einer Vergewaltigung kam als ein Paar nachts allein an den Strand gefahren ist und auch hier wird man immer wieder davor gewarnt. Daher waren wir wirklich vorsichtig, haben uns als große Gruppe zusammen getan und sind immer wenn wir in der Dunkelheit näher kommende Gestalten gesehen haben aus dem Wasser und haben uns zu unseren Taschen gestellt. Die Gestalten sind dann auch tatsächlich ohne Probleme schweigend weitergezogen und wir hatten eine wunderschöne Zeit.
Und der Ozean leuchtet wirklich! Also vielleicht nicht so krass wie man es sich vorstellen könnte aber da sind kleine Mikroorganismen die wir manchmal kurz wie Glühwürmchen aufblinken sahen wenn wir auf das Wasser in unseren Händen schauten oder wenn sie an unseren badenden Körpern hängen blieben.
Allerdings kam das dicke Ende zum Schluss. Als wir heim fahren wollten mussten wir feststellen, dass wir mit einer Sache nicht vorsichtig genug gewesen waren: Mit unseren Motorrädern, die wir blöderweise außer Sichtweite geparkt hatten. Als wir zurück kamen war mein Benzin geklaut, bei meinen Freunden Batterien entladen, Zündkabel abgerissen und eine Motorradbox aufgebrochen in der unter anderem eine externe Festplatte waren. Deshalb sind die Gestalten wohl vorher auch so friedlich an uns vorbei gelaufen. Die wollten gar keinen Ärger mit uns, die wollten an unsere Bikes!
Mit einem Freund habe ich dann die Gruppe zurück gelassen um Benzin für mein Moped zu holen. Schon auf dem Weg haben wir gemerkt, dass ein paar junge Inder zu unseren Freunden einbogen. Und wer weiß schon wie die drauf sind wenn sie eine Gruppe Touristen inklusive weiße Frauen finden…
Wir hatten es also wirklich eilig mit dem Benzin zu ihnen zurück zu kommen. An der Tankstelle fanden wir dann auch bald die Nachtschicht in ihrem Büro auf dem Boden schlafen. Zuerst leise und schüchtern, dann irgendwann laut und genervt versuchten wir sie zu wecken. Nach einiger Zeit riefen uns auch unsere Freunde an und teilten uns aufgeregt mit dass jetzt tatsächlich ein paar Inder in ihrer nähe waren die sie beobachteten und mit ihren Handys herumtelefonierten. Ob sie wohl Freunde holen wollten um eine größere Gruppe zu sein die uns überwältigen könnte?!
So langsam kam Panik auf. Aber die Nachtschicht lies sich auch von unserer Hupe nicht davon überzeugen aufzustehen, motzte uns an wie es uns nur einfallen kann sie mitten in der Nacht zu wecken und schickte uns zur nächsten Tankstelle. Die war zum Glück nicht weit aber dort befanden wir uns genau in der gleichen Situation. Im Büro lagen 4 Männer auf dem Boden und verschliefen selig ihre Arbeitszeit.
Aber diesmal ließen wir nicht so schnell locker. Irgendwann waren dann alle wach aber immernoch unwillig aufzustehen und uns das Benzin zu geben! Nachdem kein Diskutieren und Bitten half war ich kurz davor sie einfach mit richtig viel Geld zu bestechen. Das war wahrscheinlich auch, was sie erwarteten. Mein Freund wurde dann aber darauf aufmerksam, dass an der Tür ein Aufkleber mit der Nummer ihres Managers klebte und drohte damit diese Anzurufen. Der Gedanke von ihrem aus dem Schlaf gerissenen Manager zur Sau gemacht zu werden wirkte dann aber doch wunder und sie rückten endlich das Benzin her, das wir in einer Plastikflasche zurück zu meinem Moped transportieren – gespannt wie sich die Situation mit unseren Freunden und den Indern mittlerweile entwickelt haben würde!
Als wir ankamen fanden wir unsere Freunde immernoch um ihre Bikes versammelt und die Inder lachend und telefonierend. Nachdem wir das Benzin umgefüllt hatten waren wir startklar, mussten allerdings auf unserem Weg direkt an der Gruppe Inder vorbei. Nach den Erfahrungen die wir bisher in dieser Nacht gesammelt hatten gingen wir vom Schlimmsten aus, bewaffneten uns mit Glasflaschen, bedeckten unser Haar und nahmen all unseren Mut zusammen.
Es ist dann doch nichts weiter passiert aber mein Adrenalinspiegel war auf jeden Fall so hoch wie selten!
Wenigstens macht Indien uns den Abschied nicht so schwer…zumindest was solche Dinge angeht.